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Barbara
Steffens ist Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und
Alter des Landes NRW. Ende November wurde das von ihr entworfene
Nichtraucherschutzgesetz im Landtag beschlossen. Ab Mai 2013 darf man
in keiner Kneipe mehr rauchen. Eigentlich müsste ich das super
finden, da ich ja seit anderthalb Jahren nicht mehr rauche, und wir
Konvertiten sind ja immer die schlimmsten. Die schlimmsten Kritiker
von Rauch, rauchten früher nämlich auch. Apropos: Ich kenne die
Barbara ja von früher, wir haben uns in den Achtzigern öfter in
einer Kneipe in der Kölner Südstadt getroffen. Und was haben wir
geraucht damals! Eine nach der anderen. Die Babse und ich. Man nannte
uns Van-Nelle-Christian und Javanse-Babse. So viel haben wir
geraucht! Echt. Ja, das waren noch Zeiten. Barbara hat mir jungem
Hausbesetzer damals erklärt, warum die Autonomen spinnen und ich
habe ihr erklärt, warum die Grünen Spießer sind.
Heute
schützt sie mich also davor, dass Menschen die nicht mit so
einer unglaublich ausgeprägten Willensstärke gesegnet sind wie ich,
oder Leute, die einfach nicht aufhören wollen zu rauchen, in
Raucherkneipen weiter rauchen dürfen. Und freue ich mich? Nein. Ich
frage ich mich: Warum? Ist doch logisch: Weil die Grünen halt die
Unterschicht hassen. Schauen Sie: Das Dosenpfand damals, das war auch
schon Klassenkampf von oben. Während auf Bierdosen Pfand erhoben
wird, sind Weinflaschen nämlich bis heute pfandfrei. Weil die
grünwählenden Damen und Herren Elitepartner halt gern mal einen
guten
Bordeaux trinken, mit so einer leichten Note von Cherrytomate im
Abgang.
Ein
anderer Beweis: Die Grünen fordern einen Mindestlohn von 7,50 Euro.
Das ergibt bei 160 Stunden im Monat 906,51 Euro netto für einen
alleinstehenden Mann um die 50. Die offizielle Armutsgrenze liegt
übrigens bei 930 Euro. Wenn das kein Hass ist!
Und dann
dachte ich an diese Kneipen, in denen es immer ein bisschen nach
Klostein riecht und in denen die weibliche Bedienung Haare aus
blondiertem Draht trägt. Und all die geschiedenen Männer, die an
der Theke sitzen und palavern und Würfeln und rauchen und trinken.
Diese Männer haben sich noch nie gegenseitig zu Hause besucht, sie
gehen nicht gemeinsam ins Kino, sie mögen sich nicht mal besonders.
Aber sie sind füreinander der einzige verbliebene soziale Kontakt.
Wo sollen die hin, wenn sie in der Kneipe nicht mehr rauchen dürfen?
Wahrscheinlich werden sie zu Hause sitzen und einsam sein. Und
rauchen. Das ist den Grünen aber egal, denn die Grünen hassen ja
die Unterschicht. Und wer raucht, das meinen die Grünen, der kann
nur zur Unterschicht gehören. Dann aber fiel mir auf: Eigentlich bin
ich selber ein Spießer und reingefallen auf die Propaganda der
Mittelschichts-Presse und der Scripted Reality, weil ich ja selbst
schon gedacht habe, rauchen täte nur mehr die Unterschicht in der
Klostein-Eckkneipe - und ich mich gleichzeitig zu ihrem gönnerhaften
Fürsprecher mache.
Nein,
geraucht wird quer durch alle Bevölkerungsschichten. Die Diskussion
ist arg verhärtet, von beiden Seiten, Raucher und Nichtraucher
stehen sich unversöhnlich gegenüber und beschimpfen sich
gegenseitig als Nazis.Vielleicht
muss eine Gesundheitsministerin halt beruflich in einer solchen
Diskussion eine klare Position einnehmen. Oder, und das halte ich
eigentlich für das wahrscheinlichste: Ihr fehlen einfach die
anregenden Diskussionen mit mir. Ich hätte ihr gesagt: "Weißte,
Babse, meinetwegen können die armen Nikotinabhängigen in ihren
Raucherkneipen rauchen, bis die Berliner Weiße sich gelb einfärbt.
Vorschlag zur Güte: Die Raucher tun nicht so, als hätte Rauchen
irgendwas mit Kultur zu tun oder mit Lebensart. Die Nichtraucher tun
nicht so, als müssten sie sofort sterben, weil es auf der Welt noch
Raucherkneipen gibt. Darauf eine Friedenspfeife. So eine mit
Seifenblasen drin. Und übrigens, wir hatten damals beide recht: Die
Autonomen spinnen und die Grünen sind Spießer."
Kommentare:
Du hast natürlich völlig recht. Aber es könnte schlimmer sein.
Wenn die Grünen die Unterschicht wirklich so richtig hassten würden, würden sie einen Mindestlohn von 12,50 fordern, oder 20 Euro, oder so.
Und wenn sie andere Menschen mit einer Inbrunst hassen würden, die schon auf keine Skala mehr passt und im Angesicht derer sogar Nagash selbst nichts mehr einfiele als "Na, nur ist aber auch mal wieder gut", dann würden sie sie zwingen, Captchas abzutippen, bevor sie kommentieren dürfen.
Du hast natürlich völlig recht. Aber es könnte schlimmer sein.
Wenn die Grünen die Unterschicht wirklich so richtig hassten würden, würden sie einen Mindestlohn von 12,50 fordern, oder 20 Euro, oder so.
Und wenn sie sie so richtig verabscheuen würden, mit einer Inbrunst, die auf keine Skala mehr passt und in Anbetracht derer sogar Nagash nichts mehr einfiele als "Na, nun ist aber auch mal wieder gut", dann würden sie sie zwingen, Captchas abzutippen, bevor sie kommentieren dürfen.
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