Samstag, 23. April 2011

Topaktueller Text von Mittwoch - Ein Abend namens Gudrun in der Wohngemeinschaft





Topaktueller Text

Ich hatte mich ja vorgedrängelt jedes Mal hier einen topaktuellen Text mitzubringen. Heute ist ja der 20. April also Führers Geburtstag und außerdem kurz vor Ostern. Aber Hitler und der Heiland, das ist doch billig, das sind doch Anfängerthemen für einen Humoristen. Das kann irgendwie jeder, ein bisschen Blasphemie hier und ein paar Witzchen über den Gröfaz da, das ist so pseudomutig, billige Provokation, dann noch schnarrend Hitler nachmachen obwohl ich Helge Schneider und Marcel Reich-Ranicki eigentlich viel besser kann und sich einbilden, das hätte man sich vor 70 Jahren auch getraut, weil heute ist man schließlich auch Antifa und geht zusammen mit den Bläck Föös und dem Polizeipräsidenten demonstrieren, wenn die Penner von Pro Köln und ihre Kameraden mal wieder durch die Stadt marschieren wollen. Am 7. Mai übrigens. Dann dachte ich, Atomkraft wäre ja auch so ein topaktuelles Thema, aber die mag ja auch sowieso keiner mehr, da ist Hitler ja beliebter, vermutlich. Und Jesus wäre sowieso auch gegen Atomkraft gewesen, da war sich Pastor Klein, bei dem ich konfirmiert worden bin, jedenfalls immer ganz sicher. Er musste es wissen, denn er sah so ähnlich aus wie Jesus, von der Frisur her jetzt und hatte auch die gleichen Sandalen. Der Vater von Bernie Klapproth sagte immer, Pastor Klein wäre eigentlich Kommunist und hätte in der Kirche nichts zu suchen. Da beschloss ich auch Kommunist zu werden, weil dann hätte ich erstens in der Kirche nichts mehr zu suchen und zweitens wäre ich dann in der Nazizeit verfolgt worden. In der Schule hatten wir in Geschichte meistens Drittes Reich, und in meiner Vorstellung wollte ich natürlich zu den Guten gehören. Klaus Meinolf, der neben mir saß, war wenigsten Achteljude hatte er rausgefunden, aber sowas kann man sich ja nicht aussuchen. Außerdem konnte man als Kommunist in den Zwanzigern mit Herbert Wehner nackt baden, da war der noch Anarchist gewesen, aber da hätte ich mal fünfe gerade sein lassen, und später hätte ich mit ihm im Hotel Lux in Moskau gewohnt, wo Herbert Wehner und ich nach dem vierten Weinbrand gerne mal Hitler nachgemacht und uns Jesus-Witze erzählt hätten. Nach Feierabend natürlich erst.

Die Kommunisten, also die von der DKP, sind inzwischen auch gegen Atomkraft, früher fanden sie nur die Atomkraftwerke im Westen gefährlich und die in der Sowjetunion gut und wichtig, weil man nach Meinung der DKP dort nicht aus Profitgründen an der Sicherheit sparte. Wie sich spätestens 1986 rausstellte, am 26. April übrigens, nützte das aber nichts. Das konnten die von der DKP aber nicht wissen, die dachten schließlich auch, der Lada wäre ein super Auto obwohl der fantastische E-Rekord von Opel schon lange draußen war.

Aber es sollte ja ein topaktueller Text werden, eigentlich. Hitler ist tot, Jesus, je nachdem, welcher Religion man angehört, tot oder untot, Herbert Wehner ist ebenfalls tot, die Sowjetunion gibt es nicht mehr und nach dem legendären Opel Rekord kam der Opel Omega, das hätte ich denen bei Opel gleich sagen können, dass das noch irgendwann Probleme gibt.

Die DKP ist noch nicht tot, riecht aber komisch, doch dafür gibt es, wie ich Sonntag im Weltspiegel gesehen habe, blendend aussehende Anarchisten in England, die auf ihren MacBooks ein Polizeikessel-Frühwarn-System entwickelt haben, denn, Zitat: „Wir mögen Tee, aber keine Kessel.“ Hört sich auf Englisch irgendwie intelligenter an. Die werden gegen die teure Hochzeit von Kate und William protestieren, am 29. April übrigens. Mensch das wäre ja mal ein topaktuelles Thema gewesen. Er heiratet eine Bürgerliche! Das wirklich Tolle aber war, dass in der sogenannten Bauchbinde, die im Weltspiegel-Beitrag eingeblendet wurde, also da wo sonst, „John Doe – Terrorexperte“ oder „John Doe – Opfer“ oder „John Doe – Fürchtet sich, wenn die Wasserflasche beim Öffnen knirscht“ steht, „John Doe – Anarchist“ eingeblendet wurde. Sollte ich mal vom Fernsehen zu meiner Zeit mit Herbert Wehner befragt werden, dann will ich das auch.

Freitag, 8. April 2011

Reimberg-Slam: Directors Cut.

Mir gefiel die avantgardistische Version unten ja ganz gut, hier das ganze nochmal in normal: