Freitag, 30. Juli 2010

Dichte Dichter

Ich fand gerade in Sandra Uschtrins Newsletter für AutorInnen folgende Anzeige: 

"Wie die Götter schreiben
Ferienseminar mit der Autorin Liane Dirks in den Olivenhainen der Mani,
Südgriechenland. Apollinisches und Dionysisches verbinden, Schreiben und
Genießen, 23.9. bis 3.10.2010,
Weitere Infos: http://www.liane-dirks.de"

Mal abgesehen davon, dass "apollinisches" und "dionysisches" Wie-Wörter sind und klein geschrieben werden, wenn kein Punkt davor ist, "schreiben" und "genießen" in diesem Zusammenhang Tu-Wörter sind und ebenfalls klein geschrieben werden, heißt es doch, wenn man das Verschwurbelte weg lässt und die Zuständigkeiten der Götter betrachtet: "Saufen und dichten mit Frau Dirks". Außerdem: Kennt jemand einen Gott, der gut schreiben kann?  
 

Freitag, 2. Juli 2010

Sommer


Wie ich denn bei diesem Wetter, so Scholz am Telefon, diesem Super-Wetter, zu Hause rumsitzen könne. Ich, so ich, säße nicht herum, ich täte arbeiten, auch wenn das für Außenstehende vielleicht so aussähe wie herumsitzen, weil mir leider gerade nichts zu Schreiben einfiele, aber ich müsse denken, das sei Arbeit, und was er eigentlich zu tun vorhabe. Er und die Anderen wollten halt chillen, so Scholz, im Park, man müsse doch das gute Wetter ausnutzen, wenn in Deutschland schon mal gutes Wetter sei. Erstens, entgegnete ich, sei chillen ja wohl ein Euphemismus für den Konsum so genannter weicher Drogen; zweitens sei das im Grunde auch herumsitzen, nur eben, ohne zu denken; drittens: Wer würde schon gerne ausgenutzt, niemand, das Wetter ganz bestimmt auch nicht. Und viertens gäbe es an Deutschland sicher Schlimmeres zu kritisieren als das Wetter, die Sparpolitik auf dem Rücken der Armen beispielsweise, aber er und seine ungekämmten Hippiefreunde würden sich ja lieber über das Wetter beschweren und darüber, dass in Deutschland immer alle so schlechte Laune hätten, und behaupten, woanders seien die Leute irgendwie viel lockerer, er, Scholz, möge jetzt mit den Anderen in den Park gehen und meinetwegen Bäume umarmen, ich, Gottschalk, hätte hingegen eine Arbeit zu tun und verbliebe mit freundlichen Grüßen.
Es sei überhaupt kein Wunder, so Scholz, dass ich so übellaunig sei, weil nämlich meine Zirbeldrüse ohne Sonneneinstrahlung nicht in der Lage sei, genug Glückshormone zu produzieren, und die Haut das wichtige Vitamin D, schon 60 Minuten in der Sonne könnten da reine Wunder bewirken, weshalb ja auch die Leute im Süden, das sei schließlich eine Tatsache, meistens besser drauf wären. So gut drauf, entgegnete ich, dass sie Berlusconi wählen, ich hätte darüber hinaus auch überhaupt keine schlechte Laune, ich hätte mir nur soeben eine Bananendickmilch anrühren wollen, gerade da habe das Telefon geklingelt, eventuell sei ich ein wenig, aber nur ein wenig, unterzuckert. Na gut, so Scholz, man könne niemanden zu seinem Glück zwingen, wenn ich den Sommer über blass und unglücklich in meiner Bude hocken und hier den Sommerhasser geben wolle, könne er, Scholz, mich ja wohl kaum daran hindern.
Ich, so ich, sei erstens nicht blass, sondern habe bei einer Radtour zur Feste Zons im Mai bereits ordentlich Farbe bekommen, meine Laune sei wunderbar, um nicht zu sagen glänzend, und ich täte den Sommer keinesfalls hassen, ganz im Gegenteil, am allerliebsten seien mir sogar die ganz heißen Tage, die mit Ozonwarnung, wo man jegliche Aktivität meiden und zu Hause bleiben soll, woran ich mich natürlich aus gesundheitlichen Gründen halten würde, während er und seine tätowierten, barfüßigen Baum-Umarmer-Freunde dereinst an Hautkrebs oder Herzkreislauferkrankungen oder was auch immer sterben würden, mal sehen, sagte ich, jetzt wirklich ein wenig verstimmt, mal sehen wer dann schlechte Laune hat. Ich jedenfalls würde mir keine Muffeligkeit vorwerfen lassen, nur weil ich dieses Teilzeithippiegetue langweilig fände und „chillen“ überhaupt für eine unangemessene Tätigkeit für erwachsene Menschen hielte. Dafür hätte ich mir nicht einen erhöhten Cholesterinspiegel und eine schmucke Halbglatze angeschafft, dass ich hier jetzt zwanghaft einen auf jugendlich machte. Und ich würde mich von diesem Wetter keinesfalls unter Druck setzen lassen, kleidungsmäßig wäre das Herrenoberhemd halber Arm mein größtes Zugeständnis und nein, Scholz, ich werde nicht „runterkommen“ auch nicht „relaxen“, das sei ja, wie PeterLicht in seinem wegweisenden Werk „Wettentspannen“ richtig kritisiert habe, auch schon zum Wettbewerb verkommen. Paradox sei das, bei Batida de Coco gäbe es gerade ein Preisausschreiben, bei dem eingesandte Chill-Fotos bewertet würden, und es gäbe eine Reise zu einem so genannten Traumstrand sowie, ab dem zweiten Platz, hochwertige Bademäntel zu gewinnen. Die Bewertung der Bilder gehe von „total verspannt“ bis „total entspannt“. Selbst beim Entspannen müsse man jetzt also 150 Prozent geben. Ich, Gottschalk, würde mir jetzt eine DVD angucken. Und zwar „Fargo“.