Donnerstag, 24. Juni 2010

Suuuuper!

Suuuuper! Die Deutschen können es. Sie können es fast so gut wie die Türken. Sie können hupend Auto fahren und dabei Fahnen schwenken. Eine total merkwürdige Art zu feiern. Haben wahrscheinlich die Italiener erfunden. Also, zu meiner Zeit gab es sowas nicht. Da feierte der Deutsche brav in einer Gaststätte und haute sich vielleicht zu späterer Stunde ein bisschen gegenseitig ins Gesicht. Deutsche Fahnen gab es nur in besonders konservativen Kleingartenkolonien oder an Halbmasttagen. Vielleicht noch im Stadion, wahrscheinlich sogar, aber man neigt ja dazu “seine Zeit” ein wenig zu verklären.
Zu meiner Zeit war es verboten, einfach so zu Hupen. Es kostete 20 D-Mark (umgerechnet ca. 10 € ) Bußgeld, das war der Stundenlohn eines Metallfacharbeiters. Niemand konnte die Nationalhymne auswendig (am allerwenigsten die Metallfacharbeiter), und alle jungen Nazis passten in die winzig kleine Wiking-Jugend. Der komplette restliche Patriotismus gehörte den Vertriebenen-Verbänden oder Franz-Josef Strauß. Man interessierte sich eben mehr für gesellschaftliche Mitbestimmung und seine Frisur. Ja, damals, vor der Währung! Vor allem aber war die Großbildleinwand noch nicht erfunden. Somit war es technisch unmöglich sich mit schwarz-rot-gelb bemalten Gesichtern vor einer zu versammeln. Man traf sich in modernen Neubauwohnungen und bemühte sich, nicht auf die Polster zu kleckern. Heute schmeißt man mit Bierdosen umeinander und kotzt neben die Mülltonnen. Wegen des Gemeinschaftsgefühls. Ich weiß schon: Alle machen das, alle sind “für ihr Land”, nicht nur die Deutschen. Das ist aber ja kein Grund, sich eine Fahne zu kaufen. Es kann ja auch nicht jeder so begeistert schwenken. Ich sah zwei Herren mittleren Alters, die ihre Flagge schwenkten, dabei aber genauso vom Leben betrogen dreischauten wie immer. Als hätte der Chef ihnen gesagt: “Feiert, ihr Säcke” und sie hätten sich, wie immer, gefügt.

Samstag, 12. Juni 2010

Schopenhauer zur WM

"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit vielen Millionen teilt. [...] Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein: hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen." (Arthur Schopenhauer)