Freitag, 7. Mai 2010

Nicht verpassen: Die drei Gottschalks, 12.6., Connection.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Glasbläserhandwerk

Sonderbar erscheint mir, dass, wo Tourismus sich ereignet, auch immer das Glasbläserhandwerk zu finden ist. Glasbläser lieben es anscheinend, wenn man ihnen bei der Arbeit zuschaut, ihre Werkstätten verfügen über Zuschauertribünen, und sie arbeiten mit den Busunternehmern Hand in Hand. In ganz Europa befinden sich zwei Busstunden entfernt von den großen Hotels Werkstätten, in denen dem angeblich traditionellen Glasbläserhandwerk nachgegangen wird. Und unzählige Orte und Landschaften in reizvoller Lage streiten sich um den Titel »Heimat der Glasbläser«, zum Beispiel das italienische Murano und der Bayrische Wald. Aber auch in Rumänien, Bulgarien und Spanien gibt es solche Werkstätten. Glasbläser ist ein völlig überschätzter Beruf (ausgenommen seien hier die Thermometermacher, die Glasgerätebauer und die Neonleuchtreklamen-Bläser), weil angesichts des spektakulären Herstellungsprozesses die Produkte unkritisch bewundert werden. Denn was stellt der Glasbläser ausnahmslos her: Hässliche Vasen. Wir wissen ja, dass im Urlaub der Geldbeutel lockerer sitzt, vor allem wenn die Besichtigung der Schnapsbrennerei vor der der Glasbläserei lag, so dass die Mister Minits unter den Kunsthandwerkern ihren Plunder ohne Schwierigkeiten loswerden. Und immer heißt es im Prospekt: »Traditionelles Glasbläserhandwerk«, eine unzertrennliche Wortkombination wie »wertvolles Vitamin C«, »sprichwörtliche Gastfreundschaft«, »zünftige Brotzeit« oder „brutal ermordet“. Hartgesottene Touristen schaffen nach der traditionellen Glasbläserei noch eine faszinierende Höhle und eine typische Folkloredarbietung. Auch dabei wird Schnaps ausgeschenkt. Auf der Rückfahrt im Bus sagt dann der Reiseleiter: „Schließen Sie, wenn sie Angst haben, in den Serpentinen ruhig die Augen, das macht unser Busfahrer auch so.“ Die Reisegruppe besteht nun aus zwei Kategorien: Denjenigen, die noch relativ unfallfrei das Lied vom „Schönen Westerwald“ hinbekommen. Und denen, die mit glasigen Augen, das Kinn auf der Brust, vor sich hinstarren, in unregelmäßigen Abständen den Kopf heben und dann „Eukalyptusbonbon“ rufen.