Mittwoch, 13. Januar 2010

Trüffel Poesie


Bei Rewe gibt es eine neue Eigenmarke namens "Feine Welt". Eine Sorte "Feine Welt"-Ravioli heißt "Trüffel-Poesie". Deshalb:

trüffelpoesie

unter dem waldboden lebte ich
in perfekter symbiose mit einer freundlichen wurzel
dunkel und weich war mein reich

dann fanden mich die schweine
sie machten mich zu einer ware und sagten
du kommst jetzt in die pasta, basta


immer geht es nur ums geld - feine welt




Dienstag, 12. Januar 2010

2010

Der neue Jahreskalender hängt an der Wand, und es steht tatsächlich 2010 drauf. Hätte ich als Kind ein Bild malen müssen, das zeigt, wie die Welt 2010 aussieht, wären darauf vermutlich schwebende Elektroautos zu sehen gewesen, Werbung für Urlaub auf dem Mond und ich mit einem modischen Schnauzbart bei meiner Arbeit als Schwebeauto-Testfahrer.
Hätte ich in den Achtzigern die Welt 2010 gemalt, wäre sie verwüstet gewesen. Entweder durch einen Atomkrieg oder durch diverse Umweltkatastrophen. Wir waren uns nicht ganz sicher damals, welche Form des Weltuntergangs das Rennen machen würde. Sonnenklar war aber, dass das Ende nah war und wir die letzte Generation, die die Chance hat, eventuell eines natürlichen Todes zu sterben – wenn es glimpflich läuft. Spätestens die nächste Generation aber würde das volle Ausmaß der Katastrophe abkriegen. Zumindest alle Leute, die wie ich Latzhosen trugen und gefärbte Windeln als Halstücher, wussten das ganz genau. (Soviel zu den „schrillen, lustigen Achtzigern“, Oliver Geissen!) Doch wie heißt es so schön bei „Zweiraumwohnung“: „Apokalypse - auf die ist kein Verlass“.
Zumindest zieht sie sich ein wenig. Das Waldsterben wäre ein Kandidat für die „Was-macht-eigentlich“-Rubrik im Stern, den kalten Krieg haben wir gewonnen, bleibt die globale Erwärmung. Da werden Al Gore und Bono sich noch umschauen, wenn erstmal alle Chinesen ein Auto haben.
Aber ich will mich mit Voraussagen zurückhalten, denn man kann nicht in die Zukunft sehen, und das ist gut so. Sonst hätte ich ja als Kind schon gewusst: Es wird nichts mit dem Schwebe-Auto-Testfahrer-Job. Menno! Und mich gefragt: Was macht der pummelige Mann da an dieser komischen Schreibmaschine mit Fernseher, und warum zum Teufel trägt er keinen Schnäuzer? Das soll ich sein? Was hat mich bloß so ruiniert?
Und hätte ich als Jugendlicher in die Zukunft geschaut und hätte mich, jetzt mal so als Beispiel, auf dem Sommerfest der Diakonie als Karaokemoderator im billigen Anzug „Tanze Samba mit mir“ singen sehen, wäre Selbstmord vermutlich eine nahe liegende Lösung gewesen. Vorher hätte mich noch über die Bäume im Hintergrund gewundert.

Wie gesagt, es ist schon gut, dass man nicht in die Zukunft sehen kann. Ich denke, es verringert die Suizidrate enorm. Ich freue mich auf 2010, wir planen Urlaub in Schweden. Soll schön sein da, viel schöner jedenfalls als auf dem Mond.