Sonntag, 29. November 2009

1. Advent

Die Fälle des Pathologen und Ermittlers Martin Graupner (1)

Der tote Pfefferkuchenmann in der Fußgängerzone


Der Pfefferkuchenmann liegt tot in der Fußgängerzone,
ich zeichne seine Umrisse mit Kreide nach.
Der Weihnachtsmann vom Kaufhof sagt, er hätte nichts gesehen,
und er hätte jetzt auch keine Zeit mehr. Ich sage, ja, ja, Sie können jetzt gehen, und die Kollegen von der Spurensicherung lassen mich wieder mal im Regen stehen.

Alles muss man selber machen, ich mache ein paar Fotos. Ich in der Hocke. Um mich herum hetzen sie, sie müssen Geschenke kaufen, ich bin ihnen im Weg, verdammt, das ist hier ein Tatort! Ein kleiner Junge schaut mich entgeistert an, sein Gesicht ist mit meinem genau auf einer Höhe. Er sieht traurig aus. Ich sage, geh’ schon weiter, das ist kein schöner Anblick. Die Obduktionsergebnisse frühestens morgen Mittag. Wunder dauern etwas länger.

Jetzt liegt der Pfefferkuchenmann auf meinem Obduktionstisch, ich spreche in mein Diktiergerät. Eine männliche Leiche, ca. 20 Zentimeter groß, großflächige Quetschungen im Kopfbereich, das rechte Bein ist unterhalb der Hüfte abgetrennt, die ausgefransten Wundränder lassen auf eine Bisswunde schließen. Die Leichenstarre ist weitgehend ausgeprägt, ich schätze den Todeszeitpunkt auf 16-18 Uhr.

Jetzt kommt meine Königsdisziplin, der Y-Schnitt. Mit präzisen Bewegungen öffne ich den Brustkorb, ich muss ja die Leber wiegen, die Milz wiegen, das Herz entnehmen, den Mageninhalt analysieren, Gewebeproben auch, vielleicht waren Drogen im Spiel, Gift oder Vorerkrankungen. Die Leiche aber verfügt, wie ich jetzt feststelle, über keinerlei innere Organe. Keine Knochen. Ich diktiere nüchtern: Subkutan nur eine gleichförmige recht trockene Substanz.

Verdammt! denke ich, es ist eine Serie. Die gleichen Symptome wie bei der unbekannten männlichen Leiche im letzten Monat. Der Mann mit der Tonpfeife im Mund. Der Weckmann-Fall. In meine Abscheu vor der Tat mischt sich eine Spur Triumph. Das zweite Opfer. Jetzt werden die Kollegen von der Kripo mir einfach glauben müssen.

Samstag, 28. November 2009

Dezember (reloadet)

Wenn Sie gerade mal kurz aufpassen, müssen Sie im Dezember viele Zeitungsartikel nicht mehr lesen, weil ich Ihnen jetzt sage, was drin steht. Erstens: Bei Weihnachtsfeiern in der Firma ist es unschicklich, bis zum Pupillen-Stillstand zu saufen. Duzen Sie ihren Chef nicht, verschieben sie Verhandlungen über Gehaltserhöhungen auf einen anderen Zeitpunkt und verzichten Sie auf sexuelle Belästigung. Zweitens: Bei Eis und Schnee sind Sommerreifen gar nicht so gut. Drittens: Schenken Sie ihrem Mann keine Unterhose, schenken Sie ihrer Frau kein Haushaltsgerät. Umgekehrt ist in Ordnung. Viertens: Behalten Sie Feuerwerkskörper nicht bis zur Explosion in der Hand. Fünftens: Coca-Cola hat den Weihnachtsmann erfunden. Sechstens: Glühwein auf Weihnachtsmärkten ist oft zu teuer und von schlechter Qualität. Siebtens: Batterien sind oft im Lieferumfang nicht enthalten und dann heulen die Kinder. Achtens: Sollten Sie sich über die Feiertage ausschließlich von Fett, Zucker und Alkohol ernähren, werden sie zunehmen. Neuntens: Obdachlose haben es auch nicht leicht. Zehntens: Der Einzelhandel äußerte sich zufrieden. Was in den Zeitungen an Anti-Kater-Tipps steht, können Sie alles vergessen. Gegen Kater hilft schlafen.
Die Zeit, die Sie nun gewonnen haben, weil sie all diese Artikel nicht lesen müssen, können Sie für sinnvolle Dinge nutzen: Mit dem Luftgewehr auf an Fassaden hängende Weihnachtsmann-Figuren schießen, Rosinen aus Christstollen pulen, Marzipankartoffeln einkellern oder eine Gerd-Baltus-Fanseite einrichten. Der hat nämlich noch keine. Wenn Sie nicht wissen, wer Gerd Baltus ist, richten Sie eine Christian-Gottschalk-Fanseite ein. Oder lernen Sie Schach. Irgendwie muss man diesen verlogenen Dezember ja rumkriegen. Der November ist wenigstens ehrlich und macht seinen Job: Er reißt die letzten bunten Blätter von den Bäumen, schiebt regelmäßig seine dunklen Wolken vor die Sonne, lässt kalten Regen auf die graue Stadt fallen und sagt: Meint Ihr mir macht das Spaß? Als die Feiertage verteilt wurden, sagte er, O.K. Leute, ich nehme den Volkstrauertag und den Totensonntag, muss man nicht drumrum reden, passt halt ganz gut mir und irgendwer muss es ja machen. Ja, ich weiß, ist dunkel, mach halt Licht an.

Der Dezember, der Schuft, krallte sich ein großes Christenfest und Silvester. Obwohl er auch kein besseres Wetter drauf hat, als der November, faselt er was von Gemütlichkeit. Wie ein alter Alkoholiker in einer Rasierwasserwolke übertüncht er seinen fauligen Dezembergeruch mit irgendwelchen Weihnachtsdüften. Bleib mir doch weg mit Deinen Bratäpfeln! Überall Zimt reintun, kann jetzt echt jeder. Auf Bildern sehen wir den Dezember stets in weiße Pracht gekleidet, doch schauen Sie mal aus dem Fenster, da sehen Sie sein wahres Gesicht! Darüber sollte die Presse mal schreiben! Ich wollte ein Gedicht über Dich schreiben Dezember, doch Du bist mir gerade einen Zweizeiler wert:

Dezember!
Das Beste an Sylvester ist
dass Du dann zu Ende bist.

Freitag, 27. November 2009

Freitag, 13. November 2009

Schweinegrippe




Gottschalk empfiehlt: Jetzt nicht in Panik geraten!

Mittwoch, 4. November 2009

The Grand Industrial Band

Die Grand Industrial Band mit "Relativeley Blind" Christian Gottschalk an der Blues-Harp jetzt auf Youtube.
Ich scheine mich ganz schön zu wundern, dass das Solo so halbwegs hingehauen hat.