Samstag, 4. Juli 2009

Hallo

Aufmerksame LeserInnen werden feststellen, dass es sich beim unten stehenden Text um ein Recyling-Produkt handelt. Ich habe aus zwei alten, schrottreifen Texten mit etwas Spachtelmasse und Sprühlack einen neuen, flotten gebastelt.
"Linksträger" hatte ich übrigens im Leserblog von "Der Freitag" veröffentlicht, da kam er sehr gut an. Oberblogger Stefan Niggemeier hat den Text sogar verlinkt. Wenn ich mal wieder mehr Zeit habe, werde ich da wohl öfter posten, allerdings möchte ich mich nicht aktiv an der Community beteiligen, da ich meine Community immer noch am liebsten persönlich treffe. Meistens trinken wir Bier zusammen. Ich will ja auch schon seit Monaten eine Myspace-Seite ganz ohne Freunde einrichten, weil man ja auch irgendwo mal seine Ruhe haben will.
Bei allen Poetry-Slams bin ich übrigens mit "Linksträger" in der Vorrunde rausgeflogen.
Soweit
C.


Wenn der Prophet zum Brunnen geht


„Im Pfeffer! Im Pfeffer!" rief ich laut und vernehmlich in Richtung Fernsehgerät. Wenn ich was zu sagen hätte, würde man Moderatorinnen direkt entlassen, die sagen: „Da liegt nämlich der Hase begraben", wenn sie höchstwahrscheinlich eigentlich „des Pudels Kern meinen". Ich würde bei solchen Fehlleistungen niemals, um mit Galileo-Moderator Ayman Abdallah zu sprechen, „neune gerade sein lassen". Immer öfter kriege ich das im Fernsehen mit, dass Redensarten falsch benutzt werden.
Da sollte man direkt einen geharnischten Leserbrief an den Sender schreiben und zwar mit spitzer Feder. Gift und Galle möchte man versprühen, ob dieser Nachlässigkeiten, das sei den Sendern ins Stammbuch geschrieben. Denn Redensarten und idiomatische Redewendungen bereichern unsere Sprachen, man denke nur an England, wo es Katzen und Hunde regnet, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, und nicht nur Bindfäden.

Neulich ging ich von der Arbeit Richtung Bahn und
fühlte mich wie gerädert. „Ich fühle mich wie gerädert,“ dachte ich bei mir, und dann: „Komisch, gerädert wird seit dem 19. Jahrhundert schon nicht mehr, doch in der Sprache hat es sich erhalten.“ Naja, ich bekomme meinen Lohn ja auch nicht in einer Tüte. Außerdem: Mit modernen Hinrichtungsarten funktioniert das Bild allerdings auch gar nicht. Ich fühle mich wie gegiftspritzt klingt äußerst unelegant, wie elektrisiert bedeutet schon etwas anderes und ich fühle mich total erschossen sagen allenfalls Mütter in Vorabendserien, während sie sich dramatisch auf ein cremefarbenes Sofa sinken lassen.

Sagt man eigentlich noch „Ich habe mir die Finger wund gewählt“? Obwohl man doch nur die Wahlwiederholungstaste drückt? Warum nicht, man sagt ja auch noch „Wie Gott ihn schuf“ wenn jemand im Adamskostüm daher kommt, obwohl Gott bekanntlich schon lange tot ist. Und Adam auch. Man sagt auch „Ellenlang“ obwohl die Maßeinheit „Elle“ nicht mal mehr in den USA benutzt wird, wo man das metrische System für irgend so eine schwule europäische Idee hält.

Wenn jemand, wie man in Ostdeutschland gerne sagt, „ein paar Rohre zu den Akten gelegt“, also Schnapsflaschen geleert hat, ist er „voll wie eine Strandhaubitze“. Das ehemals beliebte Artelleriegeschütz ist längst aus der Mode, aber „voll wie ein moderner Marschflugkörper“ oder „blau eine Bodenluftrakete“ klingt auch irgendwie komisch.

Man wird auch noch „pudelnass“ sagen, wenn der Pudel lange ausgestorben, ja der letzte Hund begraben ist. Und zwar irgendwo in der Eifel. Redensarten und idiomatische Redewendungen sind eigentlich sehr haltbar, es sei denn sie geraten in die falschen Hände und werden willkürlich verändert und durcheinander gewirbelt. Wer könnte daran ein Interesse haben? Ich habe ja immer gesagt, dass Ayman Abdallah von den Illuminaten bezahlt wird. Aber auf mich hört ja keiner. Der Prophet geht eben solange zum Brunnen, bis er bricht.