Dienstag, 26. Mai 2009

Die gedichtete Film-Kritik. Heute: Der Baader-Meinhof-Komplex

Das war wohl nix, Herr Eichinger

Gudrun liebt Andreas
Andreas liebt Autos
Ulrike nimmt alles viel zu ernst

Ulrike hat crime
Andreas hat Sex
dat is der Baader-Meinhof-Komplex

Sonntag, 17. Mai 2009

Linksträger

Als Jürgen Markus 1972 in der Hitparade erstmals seinen Erfolgsschlager „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ vorstellte, saß ich mit meinen Eltern vor dem Fernseher, und mein Vater sagte: „Na, Jürgen Markus ist aber Linksträger.“ Mit dem untrüglichen Instinkt eines 7jährigen fragte ich sofort nach, was das denn hieße, und mein Vater sagte: „Äh, der hat ’nen Schlüssel in der Tasche.“ Ich konnte zwischen diesen beiden Informationen keinerlei Zusammenhang herstellen, wusste aber, dass ich belogen worden war.

In der Schule fragte ich Anke, die alles wusste, was ein Linksträger sei, doch das wusste sie auch nicht. Sie erzählte mir, ihre Mutter hätte gesagt, Vicky Leandros hätte einen Schlafzimmerblick. Anke hatte natürlich sofort nachgefragt, was das heißt, und ihre Mutter hatte gesagt, Vicky Leandros sähe irgendwie müde aus. Anke glaubte ihr nicht. Wir ahnten, dass in der Erwachsenenwelt irgendein Zusammenhang zwischen Linksträgern und Schlafzimmerblicken bestand, ließen es aber dabei bewenden und spielten eine Runde Gummitwist.

Dreißig Jahre später gucke ich mit meinem Freund Jens die N3 Schlagernacht und Moderator Bernd Begemann präsentiert eben jenen Auftritt von Jürgen Markus aus der Hitparade. Jürgen Markus trägt, der Mode der Zeit entsprechend, eine sehr enge weiße Hose. Einige leicht angetrunkene Synapsen wissen, was zu tun ist, und bevor ich es gedacht habe, habe ich es gesagt: „Linksträger! Jürgen Markus ist Linksträger. Mein Vater hatte Recht.“ Das ganze Lied lang kann ich nirgendwo anders hingucken. Die Hose ist dermaßen eng, hätte Jürgen Markus wirklich einen Schlüssel in der Tasche gehabt, hätte ihn jeder Mister Minit sofort nachmachen können.

Natürlich weiß ich mittlerweile auch, was ein Schlafzimmerblick ist.

Ich weiß, warum Peter Maffay als ein Mann die Sonne aufgehen sah. Dass es nie um deutsche Rechtschreibung ging, wenn der schmierige Roland Kaiser eine Nacht das Wort Begehren buchstabieren wollte. Wieso Michael Holm wirklich nach Mendocino gefahren ist. Warum Bata Illic der Knopf an ihrer Bluse sein wollte. Und was in Heinos Wigwam geschehen sollte und unter Gunther Gabriels Decke. Allein wenn ich mir vorstelle, wie es da riecht.

Und der Typ, über den die Puhdys sangen, sollte auch gar nicht wirklich einen Drachen steigen lassen.

Inzwischen sind Rex Gildo und Roy Black unter tragischen Umständen verstorben. Christian Anders hat den Zug nach Nirgendwo genommen und ist Esoteriker geworden. Cindy und Bert haben sich scheiden lassen. Bert hat man sowieso nie gehört, da hatte meine Omma Recht.

Aber der Deutsche Schlager lebt: Andrea Berg steht in den Deutschen Album-Charts vor Peter Fox und Pink. Andrea Berg singt immer noch Texte, die ich mit Sieben nicht verstanden hätte: „Wenn du mich willst, dann küss mich doch / Ich habe Angst, du wartest noch / Bis dich der Wein zu müde macht / für eine schöne Liebesnacht.“ Vielleicht ist sie ja mit Jello Biafra bei seinem Lieblingsitaliener und schaut dem berühmten Linksträger mit ihrem Schlafzimmerblick tief in die Augen. Und irgendwann sagt der ehemalige Sänger der Dead Kennedys zu Andrea Berg: „Sorry Andrea, ich bin jetzt zu müde für eine schöne Liebesnacht“. Oder um es von Schlagerdeutsch in Punkerenglisch zu übersetzen: „Too drunk to fuck.“