Montag, 22. Dezember 2008

Gewonnen!

Hallo liebe Leserinnen und Leser,
ich habe den Poetry-Slam "The Word Is Not Enough" gestern abend gewonnen. Zwei Geschichten hatte ich extra dafür geschrieben, wobei eine aber leider viel zu lang war. Ich hatte vergessen, dass man in jeder Runde nur fünf Minuten Zeit hat. Mit der langen Geschichte nehme jetzt am MDR-Literaturpreis teil, weshalb sie hier auch noch nicht veröffentlicht wird.
Die andere ist kurz und hat mir gestern unglaubliche 90 Stimmen eingebracht, was mich sehr gefreut hat. Schöne Weihnachten und viel Spaß beim Lesen!

Winter
In die Abteilung langweilige Meinungen gehört wie ich finde auf jeden Fall: „Ach, so eine trockene Kälte finde ich eigentlich ganz schön.“ Leute, die so eine trockene Kälte eigentlich ganz schön finden machen immer alles so, wie es sich gehört: Im Sommer sitzen sie in einem Biergarten mit hohem Flirtfaktor und trinken Weizenbier, im Herbst trinken sie Federweißen und essen Zwiebelkuchen dazu und zwar in einer urigen Kneipe, im Dezember kaufen sie bescheuerte Produkte auf dem Weihnachtsmarkt, saufen Glühwein und machen Handyfotos auf denen sie Weihnachtsmannmützen tragen, stellen sie ins Internet und sagen dann „Wie geil ist das denn.“

Sollen sie machen, denn dies ist ein freies Land und die Kriterien nach denen ich Menschen beurteile haben sich verändert. Mir ist egal ob jemand gern Phil Collins hört oder Die goldenen Zitronen, ich finde ohnehin beides Scheiße. Mir ist egal ob jemand sein Handy am Gürtel trägt oder am Geschlechtsteil tätowiert ist oder weiße Socken oder schwarze oder welche mit Homer Simpson drauf trägt. Ob sich jemand jetzt schon auf Karneval freut oder meinetwegen auf Weihnachten, auf das Silvesterfeuerwerk oder auf die nächste Staffel von „Supernatural“. Alles egal.

Aber es macht mich krank, wenn sich jemand beim Metzger vordrängelt und dann auch noch unverschämt wird. Mich anduzt und meint ich solle mich nicht aufregen. Und die ganzen Nazitussen hinter der Metzgertheke dies geschehen lassen ohne für mich Partei zu ergreifen. Und das alles auch noch vor dem Frühstück, wenn ich besonders schwach und hilflos bin. Und der kommt damit durch, die Sau! Dann bin ich den Rest des Tages arbeitsunfähig, weil ich von primitiven Gewaltfantasien heimgesucht werde, in denen großkalibrige Waffen eine wesentliche Rolle spielen. Ich bin nämlich sensibel.

Auch Getränkemarktmitarbeiter sollten nicht „Na das haben wir ja besonders gerne“ sagen, nur weil sie die Pet-Flaschen vom Penny nicht gerne annehmen. Ich fordere, dass alle Leute sich so freundlich benehmen, wie die Kassiererinnen bei Plus auf der Subbelrather Straße. Dann wäre die Welt ein besserer Ort.

Setzt euch ruhig in Cafés mit aufgetropften Kerzen, trinkt Kakao mit Sahne und macht euch Notizen in euer Moleskine, setzt Euch in Franchise-Läden und sagt zu Eurer besten Freundin: „Das geht ja mal gar nicht“, wenn ich in einem schlimmen Fleece-Pulli von Lidl vorbeigehe, feiert Eure verfickten Junggesellenabschiede, wählt CDU, trinkt Veltins plus X, macht was ihr wollt, aber bitte seid ein bisschen höflich zu mir. Ich danke Euch vielmals für Eure geschätzte Aufmerksamkeit.