Dienstag, 29. April 2008

Paarhufer neigen zum Suizid!

„Nachdem erst vor drei Tagen ein ICE bei Fulda durch eine Schafherde gerast und entgleist war, gibt es heute das nächste Bahnunglück mit toten Tieren zu vermelden. Zwischen Arnstadt und Ilmenau in Thüringen fuhr ein Regional-Express in eine Kuhherde, acht Tiere starben.“
Berichtet heute Stern-Online.

Ich habe ja schon vor längerer Zeit über den Hang von Tieren zum Suizid geschrieben. Und zwar ein Lied. Auch Paarhufer wurden in dem Song berücksichtigt. Er heißt „Suizid im Tierreich“. Wenn Ihr das Lied singen wollt: Die Melodie funktioniert am besten, wenn man eine Art Gunter-Gabriel-Country singt. Ich spiele immer GDGGADGD oder so in der Strophe und GCGD im Refrain.
Viel Spaß!

Suizid im Tierreich
Menschen denken immer, sie wären den Tieren weit voraus,
wesentlich intelligenter, als Hund, Katze und Maus,
dass sie die Krönung der Schöpfung seien, könnte man schon daran sehen,
dass Menschen sehr oft aber Tiere niemals Selbstmord begehen.
Doch das ist ein Vorurteil, es ist durchaus verbreitet,
dass ein Tier seiner triebgesteuerten Existenz selbst ein Ende bereitet.

Refrain: Suizid im Tierreich gibt’s viel öfter als man denkt,
gestern hat sich der Hamster meines Nachbarn aufgehängt,
manche Hunde geh’n ins Wasser, manche Fische geh’n an Land,
Und des Lebens überdrüssige Kanarienvögel fliegen ungebremst an die Wand.

Kröten werfen sich vor Autos, wenn keiner sie dabei stört,
Störe werden oft depressiv weil niemand ihnen zuhört.
Wale stellen das Atmen ein, wenn ihre Plattenverkäufe rückläufig sind,
das zweite Album ist das Schwerste, das weiß doch jedes Kind.
Ja, auch Tiere haben Sorgen, doch sie haben keinen Likör,
wer schon mal Wasser getrunken hat um zu Vergessen, weiß das ist ganz schön
schwer!

Refrain

Ja, Suizid im Tierreich, darüber sollte die Presse mal schreiben,
dass sich Paarhufer in Afrika, gezielt durch langsames Laufen entleiben,
Neurotische Hunde in Hollywood essen Frauchens Schlaftabletten,
doch meistens ist es nur ein Hilferuf, und man kann sie noch retten.

Erdmännchen stürzen sich von Klippen ohne Abschiedsbrief,
meistens geht es um Weibchen, denn beruflich läuft selten was schief.
Auch Quallen leiden Qualen und finden ihr Leben öde,
nur Delfine merken gar nichts, gackern und sind blöde.

Jeder Fuchs kennt den Verlauf seiner Schlagader,
und weiß wenn er sich schneidet, besser längs als quer.

jajaja, Suizid im Tierreich ist ein verbreitetes Phänomen,
nur will die Tierärzteschaft das Problem nicht sehen,

Refrain, Gitarrensolo, fade out.

Freitag, 25. April 2008

Werken mit Herrn Mosch

In der 6. Klasse hatte ich Werken bei Herrn Mosch. Herr Mosch, den ich, vor allem weil er mein Werklehrer war, überhaupt nicht leiden konnte, hat glaube ich einigen Anteil daran, dass ich bis heute einen Bogen um harte Drogen mache. Im Werkunterricht mussten wir mit diversen Holzraspeln bewaffnet aus einem groben Holzklotz einen Igel formen. Nach vielen, vielen Doppelstunden grausamer Kinderarbeit, drei viertel der Klasse hatten schon eins A Igel produziert, hatte auch mein Holzklotz annähernd die Form eines Igels (oder wahlweise eines modernen Kleinwagens). Leider war ich mittlerweile so mit den Nerven am Ende, dass ich von den als Stacheln dienenden Nägeln keinen einzigen mehr gerade ins Holz schlagen konnte. Ich bekam eine vier. Ich beschloss fortan Werkbänke, Raspeln, Hobel, Feilen und Schmirgelpapier zu meiden. Meine Eltern und Geschwister hatten so das Glück, immer schöne gekaufte Geschenke von mir zu Weihnachten zu bekommen und nie selbst gebastelten Schrott.

In der Krefelder Straße befindet sich ein Schaufenster der Werkstätten der Drogenhilfe. Manchmal verweile ich davor und schaue mir die ausgestellten Exponate an. Naiv gestylte Modellautos aus Altmetall, originelle Kerzenständer, dreieckige Ohrringe und kunstvoll verzierte Aschenbecher sagen: “Siehe, wie geschickt ehemalige Drogensüchtige seien können. Wer so schöne Aschenbecher zusammenlötet, wird auch bald wieder einen Arbeitsplatz haben und seinen Platz in der Gesellschaft finden!” Dieses Schaufenster ist für mich eine weitaus bessere Drogenprävention als jede aufwendige Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums. Unter Anleitung einer Sozialarbeiterin mit Zusatzausbildung aus gebrauchtem Sanitärzubehör Kerzenständer zu basteln, ist schlimmer als Raspeln unter Herrn Mosch. Und dass das Ergebnis meines gebrochenen Willens dann noch im Schaufenster ausgestellt zu sehen, ist eine Zumutung. Deshalb will ich niemals drogensüchtig werden. Denn ich müsste es dann für immer bleiben. Nur weil ich Werken hasse. “Halt!” ruft Hubert, der Sozialarbeiter “Du stellst das total unfair dar! Für unsere Klientel ist das unheimlich wichtig!” Genau das ist das Problem. Was ich sagen wollte ist, ich bin froh, dass mein gnädiges Schicksal mich nie in Versuchung führte, den Verlockungen des Heroins zu erliegen. Es ist ja auch finanziell ein Problem: Die Fixkosten sind einfach unheimlich hoch. So, ich muss jetzt aufhören. Hier in der Betty-Ford-Klinik beginnt jetzt mein Seidenmalerei-Kursus.

Freitag, 18. April 2008

Die Woche in Liedern

"Die wahren Abenteuer sind im Kopf“ (André Heller)
Und sind sie nicht in deinem Kopf, dann sind sie nirgendwo. Herr Heller ist zwar Schuld am Circus Roncalli, aber wo er Recht hat, hat er Recht. Wer Bungeejumpen muss, um etwas zu erleben, ist ein Wicht. Seit Jahren rate ich übrigens von Wildwasser-Rafting in Gegenden ab, in denen die Menschen an Wiedergeburt glauben, aber das nur nebenbei. Mir ist es immerhin gelungen mir auf der Wildwasser-Rutsche
im Centerparc das Knie aufzuschlagen. Ich zeigte C. die Verletzung stolz wie ein 11jähriger. Ich alter Abenteurer war nämlich verbotswidrig mit dem Kopf zuerst gerutscht. Bin halt doch geboren, um wild zu sein!

„Ich verabscheue Euch wegen Eurer Kleinkunst zutiefst“
(Tocotronic)

Habe ich früher gerne mitgesungen. Ich benutze als Berufsbezeichnung ja gerne „Humorist“. Mein Buch kann man ab heute im „Kleinkunstkiosk“ kaufen (aber auch bei Amazon und bei Gemischtwaren.com). Ich trete auf Kleinkunstbühnen auf. In meinem Alter wirft man ohnehin mit tiefer Abscheu nicht mehr so wild um sich. Sie ist für die wirklich bösen reserviert. Jongleure kriegen trotzdem kein Geld.


Deutschlandlied (Joseph Haydn)
Jeden Sonntag um kurz vor sieben abends gehe ich durch die Hohe Straße zur Arbeit. An dem Musiker vorbei, der dann immer (in Zahlen: immer) „Norwegian Wood“ singt. Sehr schön übrigens. Komischerweise ist die Fußgängerzone Sonntag abends voll, vielleicht freuen sich die Leute auf Montag, wenn sie endlich wieder etwas kaufen können. Und dann: Mittendrin ein Obdachloser, der das Deutschlandlied auf der Blockflöte spielt. Ohne Text ist es eigentlich ganz schön. Ich verstehe es als poetischen Kommentar.

Dancing in the street (Martha and the Vandellas)
Letzten Samstag habe ich mit meiner kleinen Gewerkschaftscombo in Köln ein bisschen mit die streets reclaimed. Wir gaben einige 100 Jahre alte amerikanische Arbeiterlieder zum Besten, die Jugend stellte extra ihren Ghettoblaster für uns ab. Die Presse war sich uneins: Eine Spontandemonstration von Globalisierungskritikern vielleicht? Die Frisuren sprachen schließlich dafür. Der Express fand heraus, dass es sich wohl um einen Flashmob gehandelt haben muss, und erklärte lang und breit, was ein Flashmob ist. Seit wann aber dauern Flaschmobs sechs Stunden?


In the dutch mountains“ (The Nits)
Übliches Verkehrsmittel in den holländischen Bergen. Und wie man sieht, die Weiber stehen drauf! Von links nach rechts: C., meine Schwester, ich.

"Kein Glück im Osten" (Bernd Begemann)
Meine Geschichte "Freunde des Münzfernglases" ist nicht für den "MDR-Literaturpreis" nominiert worden.

Freitag, 11. April 2008

Video

Hier könnt Ihr ein Video von meinem Auftritt im Bürgerzentrum Ehrenfeld am 4.4. sehen.

Holland

Ich fahre Montag nach Holland (also nicht direkt in Holland, aber dazu später), immer noch einem der wichtigsten Handelspartner Nordrhein-Westfalens, zumindest was Nordrhein-Westfalens Jugend betrifft. Wie ich allerdings neulich lesen musste, wird das in Holland verkaufte Marihuana mittlerweile häufig in NRW angebaut, weil die hollänische Polizei viele illegale Farmen dicht gemacht hat. Jetzt wird tonnenweise Gras in abgelegenen Eifelhöfen gezogen, in großen Mengen nach Holland geschmuggelt - und in kleinen wieder zurück. Dennoch sind die Preise mehr oder weniger stabil.

Neben Drogen exportieren die Niederlande in erster Linie Tulpen, Vanille-Fla und alte Pussycat-Platten. Zumindest seit auf die Tomaten niemand mehr reinfällt. Das Brutto-Sozialprodukt ist sehr gut, glaube ich. Das Nationalgericht heißt „Frikandel-Special", das Rezept ist geheim und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Regiert wird Holland von Königin Beatrix und Premierminister Balkenende. Der holländische „Kapitalismus mit menschlichem Antlitz" garantierte lange Zeit jeder holländischen Famile ein eigenes Boot, ist aber momentan in der Krise.

Über Holland verteilt gibt es mehrere exterritoriale Enclaven, „Centerparcs" genannt. Sie verfügen über eigenes Wetter („Centerparc-Wetter") und eine eigene Gesetzgebung („Lex Spaßbad"), nach der Bademeister Ehen schließen dürfen und ansonsten die Exekutive darstellen. Man kann zwar mit Euro bezahlen, aber er ist wesentlich weniger wert, wahrscheinlich weil alles importiert werden muss, denn 100% der Bevölkerung arbeiten in der Tourismus-Branche. Die Hauptverkehrsmittel sind Fahrräder für vier Personen und Tretboote. Die Amtssprachen sind deutsch und holländisch. Wer den Traditionen des Landes gerecht werden will, sollte einmal am Tag schwimmen gehen und die Riesenrutsche benutzen. Die Nationalsportarten sind Bahnengolf, Bowling, Babyschwimmen und Bogenschießen für Anfänger. Mit ihrem dichten Baumbestand und ihren künstlichen Seen sind die Enklaven landschaftlich wesentlich reizvoller, als das sie umgebende Holland.

Kulturell gesehen gilt „Centerparcs" als führend in der Hallenbadarchitektur und brachte eine Reihe bedeutender Alleinunterhalter hervor. Die Küche ist einfach und kalorienreich. Viele Touristen schätzen an diesem Land, dass man keinerlei Kirchen und Ruinen besichtigen kann und auch keine traditionelle Glasbläserei. Statt dessen kann man, nur so als Beispiel, kiffen und alte „Will and Grace"-Folgen im Original mit holländischen Untertiteln gucken, oder, nur so als Beispiel, seinem alten Herrn beim Pokern die Rente aus der Tasche ziehen. Und sollte man, nur so als Beispiel, ein kleines bisschen Übergewicht haben, kann ein Besuch im Hallenbad auch eine beruhigende Wirkung haben: Die anderen Herren sehen auch nicht alle aus wie Till Schweiger.

Freitag, 4. April 2008

Die Woche

Mein Lieblingswort der Woche ist Nazi-Sex-Skandal. Da ist alles drin, was eine gute Schlagzeile braucht. Erstaunt war ich, dass Herr Mosley bei seinen Ausschweifungen keine Plastiktüte über dem Kopf trug. Ich dachte, dass sei eine Art englischer Mindeststandard.

Mein Lieblings-belauschter-Satz der Woche stammt von der Haltestelle Friesenplatz, wo eine junge Frau ihren Kumpel verhöhnte: „Was, Du hast kein SMS-Flat, Du Freak!?" Früher musste man schon nach Patschuli riechen und Wildlederjacke tragen, um zu den Freaks zu gehören. Und Zigaretten drehen.


Antwort-die-ich-gerne-gegeben-hätte der Woche. Auf die Frage „Wie hat Ihnen Ihr Einkauf gefallen?": „Es war fantastisch. Großartig. Wundervoll. Diese wunderbaren Wurstwaren! Diese zahlreichen leckeren Milchprodukte! Ihr interessantes Non-Food-Angebot. Ich komme morgen wieder. Ach was sage ich: Heute noch! Bis später!"

Déjà-vu der Woche. Wie heißt ein Déjà-vu mit Geruch? Habe jedenfalls das erste Mal, seit ich 1985 bei meinen Eltern ausgezogen bin, Lenor gekauft. Leicht überdosiert. Jetzt riecht die ganze Wohnung aprilfrisch. Experimente mit Rei in der Tube, Ovomaltine und Cox Orange geplant. Blendi habe ich neulich noch bei einem Freund probiert.

Nicht-ganz-so-überraschende-Erkenntnis der Woche: Keith Richards ist taub, glaube ich. Er spielt ausschließlich auf Sicht. Deshalb steht er so gerne vor dem Schlagzeug. Wie er aussieht, hat er wahrscheinlich auch keine SMS-Flat. Der Freak.