Freitag, 28. März 2008

Halleluja, I'm a Bum

Schreiben ist Arbeit und ich bin heute faul. Hört Euch einfach dieses schöne Lied an. Bum heißt übrigens Faulpelz.

Freitag, 21. März 2008

Karfreitag

Ich hatte mal einen Kollegen, Gregor Möller, der war ein reiner Repertoire-Humorist: Auf die Frage „Wie geht’s?“ antwortete er immer mit „Gestern ging’s noch“. Er ging nie einfach zur Toilette, sondern stets „Für kleine Königstiger“ und wenn unsere Verschnürmaschine mal wieder den Geist aufgab kommentierte er das mit den Worten „Technik, die begeistert!“, was ihm aber keinesfalls die Laune verderben konnte, denn: „Tumor ist, wenn man trotzdem lacht“.

Er konnte die ersten beiden Otto-Platten auswendig, bewegte sich mit schlafwandlerischer Sicherheit aber ebenso auf dem schwierigen Parkett des Handwerkerwitzes („Ihr Elektriker habt doch alle nen kurzen in der Hose“ „Nach fest kommt locker!“) wie im Bereich der sogenanntenSpontisprüche“ („Arbeit macht Spaß, ich könnte stundenlang dabei zuschauen.“)

Jeden Morgen um viertel nach sieben zündete er sich eine Zigarette an und sagte: „Dann wollen wir mal unter Dampf weiterarbeiten.“

Als ich heute las, dass die Gläubigen auf den Philippinen sich zur Feier des Karfreitags gerne mal kreuzigen lassen, und zwar mit echten Nägeln, musste ich an Gregor Möller denken, der, egal was ich ihn fragte, immer gerne antwortete: „Woher soll ich dass wissen? Bin ich Jesus? Hab’ ich Löcher inne Hände?“

Samstag, 15. März 2008

Stilvoll scheitern...

...heißt ja erstmal als Geschlagener seine Würde zu bewahren. Ganz eindeutig auf Platz eins der Bestenliste: Jack Sparrow gleich am Anfang von „Fluch der Karibik“ erster Teil. So, nur so, verlässt man ein sinkendes Schiff. Wenn es die Umstände erlauben.

Platz zwei: Charlie aus der Fernsehserie "Lost“. Er bekommt von Sawyer eins auf die Fresse, wischt sich das Blut ab und sagt: "Du schlägst wie 'ne Schwuchtel". Ist vielleicht schwulenfeindlich dient aber in diesem Falle der maximalen Beleidigung des Kontrahenten, der ein Macho ist. Ist also erlaubt. Ab einer gewissen Menge Blut im Mund, darf man ohnehin erstmal viel. Es gibt noch andere Beispiele, im Frühwerk von Marius-Müller-Westernhagen mit Sicherheit, mir fällt aber gerade keins ein.

Platz drei ist anders gelagert. Er besticht allein durch den riesigen finanziellen Schaden: Nick Leeson ruinierte 1995 mit 27 Jahren im Alleingang die Barings Bank. Ein 233 Jahre altes Traditionsunternehmen. Nachdem er geflohen war fanden Mitarbeiter einen Zettel an einem Computer auf dem stand: "Es tut mir leid". Leesons Fehlspekulationen führten zu einer weltweiten Devisenkrise, es dauerte fast ein Jahr bis die Finanzmärkte sich wieder halbwegs erholt hatten. Leeson fiel während dieses Teils seiner Karriere nicht unbedingt durch guten Stil auf, er trank zuviel, neigte zu Pöbeleien und zeigte einer Stewardess seinen nackten Hintern. Seine Flucht endete schließlich am Frankfurter Flughafen durch Festnahme. Er wurde bereits nach 4 Jahren wieder aus der Haft entlassen, was ich in Ordnung finde. Er hat schließlich niemandem etwas getan. Heute hält er Vorträge. Und ist ein gefragter After-Dinner-Speaker. Ich stelle ihn als Platz drei der stilvoll Gescheiterten mal zur Diskussion.

Irgendwo auf den hinteren Plätzen müsste auch ich zu finden sein. Vom Redakteur zum Nachtportier, das gilt in unserem Kulturkreis nicht gerade als Aufstieg. In keinem eigentlich. Als Autor werde ich gerne mit den Worten auf Veranstaltungen eingeladen: „Also, Geld gibt es natürlich keins.“ Ich frage mich langsam, was das für eine natürliche Ordnung ist, in der ich nie Geld kriege. Ach ja, stimmt ja: Kapitalismus. Der bietet zumindest klare Definitionen für „Scheitern“: Haste nix, biste nix!

Allerdings können sich gerade die, die sich immer so sicher gefühlt haben, schon lange nicht mehr auf ihn verlassen,denn:

Die Arbeitslosigkeit erreicht die Mittelschicht. Hoch qualifizierte junge Menschen aus total hippen Branchen wie Reklame, Computer und so müssen stempeln gehen. Wahrscheinlich werden wir in wenigen Jahren Bettler sehen, auf deren Schildern Sachen stehen wie: “Sharing makes a better world! Jochen - begging as solution”. Am Chlodwigplatz wird dann nicht mehr abgehangen, da finden Meetings statt. Keiner hat Geld, aber alle haben Visionen und denken sich Content für ihre Pappschilder aus.
Jeder hat seinen UBP (Unique Begging Point) entwickelt, der ihn ganz doll von den anderen Schnorrern am Markt unterscheidet. Einer versucht sein Konzept “Kundenorientiertes Betteln - Eine Win-Win-Situation” gegen eine Zweiliterflasche Rotwein an den Mann zu bringen. Doch niemand interessiert sich dafür. Der Einzige, dem sie ein paar Kippen für einen guten Tipp geben, ist der, den sie “Börsen-Richie” nennen. “Börsen-Richie” hat mehr Schulden als der Staat, erzählt man sich hier. “Börsen-Richie” weiß, hinter welchen Supermärkten die besten Container stehen, mit lecker abgelaufenen Sachen drin, wann es wo die besten Armenküchen gibt und wie man einen Humana-Container knackt. In jedem Geschäft hat der Richie seine Finger mit drin.
Am Schlimmsten dran sind die Leute aus den kleinen Internet-Klitschen. Sie haben ja nichts anständiges gelernt. Wie sollen der Content-Manager von www.frittenbuden-im-ruhrgebiet.net und der Web-Designer, der www.fliesen-müller.de realisiert hat, sich im Wettbewerb behaupten?
“www.am-arsch.de”, brüllt einer, der ein abgeschabtes Foto eines Audi TT in den Händen hält. “Das war'n schönes Auto,” krakeelt er, “www.verfickte-scheiße.de, ‘n schönes Auto!!”.
“Der hat sich echt aufgegeben,” sagt Lukas, der Streetworker. Er ist beliebt, er spricht die Sprache der Menschen hier, denn früher war er auch Web-Designer. Er hat dann eine Umschulung zum Sozialarbeiter gemacht.
Plötzlich wird es laut unter der Severinstorburg. Zwei Betrunkene sind aneinander geraten : “Du hast mich damals entlassen, Du Sauhund!!” - “Ja, klar: Du hattest doch ausgerechnet, das wir Dich einsparen können!” - “Die Human Recources sind das wichtigste Kapital eines Unternehmens!!” - “Shareholder value!! Shareholder value!!” - “Wir müssen an den Mittelstand ran!!” - “Jau!!”
“So geht das jeden Tag mit den beiden”, sagt Lukas, “Am Schluss finden sie immer eine Marktlücke und gründen eine Firma. Jeden Tag.”

Eine Definition von Scheitern ist zurückgehen. Wer mit 38 Jahren wieder bei seinen Eltern einziehen muss, weil er nach der Scheidung nichts mehr auf die Reihe bekommen hat, ist ziemlich eindeutig gescheitert. Vorerst.

Eine andere Vorraussetzung für Scheitern ist vor allem, etwas zu versuchen, etwas anzufangen. Versucht es aber einer, erhebt er sich über die anderen und muss am Ende zurück in ihre Reihen, ist ihm die Gehässigkeit der anderen sicher. Derer, die stehen geblieben sind. Ich belauschte mal bei Merzenich einen Kölner Fensterputzer, der von einem Kollegen erzählte, der eine ganze Firma aufgebaut hatte, mit x Angestellten und allem und 7ner BMW und Pipapo. Irgendwann ging die Firma den Bach runter und den letzten Satz des Kölner Fensterputzers bei Merzenich, geäußert in aller Selbstgefälligkeit die der kleine Mann, der es nie versucht hat, der nie irgendetwas versuchen wird, aufzubringen hat, diesen Satz werde ich nie vergessen: „Un jetzt läuft er widder mittem Emmersche eröm!“

Was mich angeht, kostet es ab sofort Geld, mich zu buchen. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Wenn es schief geht: Egal. Dann geht er eben widder mittem Hötsche eröm!

Freitag, 14. März 2008

Was?

Was für Geschichten will man denn hören? Die von dem Mann, der so einsam ist, dass er sich, um sich etwas menschliche Wärme zu ergaunern, in der Bahn auf Plätze setzt, von denen kurz zuvor jemand aufgestanden ist. Die von dem Mann, der den Kölner Dom in jahrelanger Arbeit aus 4,5 Millionen Streichhölzern nachbaut und ihn dann anzündet, ohne ihn jemandem zu zeigen. Die von dem Sportass, der die Klassenblondine kriegt, weil das es so eben ist und immer so sein wird. Oder lieber Hollywood: Läuterung, immer wieder Läuterung.

Was für Meinungen will man denn hören? Ich gucke Schmidt nicht mehr wegen Pocher. Also der hat so einen Humor, das geht ja schon oft unter die Gürtellinie.

Ich finde so eine trockene Kälte eigentlich ganz angenehm. Ich denke schon, dass es hier in Brühl für die Kinder besser ist. Oder lieber: Korn ist der neue Wodka. Der Megatrend in den angesagten Szene-Läden: Herrengedeck!

Was für Gründe will man denn hören? Wir hatten uns irgendwie auseinander gelebt. Betriebsbedingt. Das kommt vom Rauchen, in erster Linie. Oder lieber: Keine Ahnung, irgendwie so.

Also ich finde die Geschichte von dem Mann, der so einsam ist, dass er sich, um sich etwas menschliche Wärme zu ergaunern in der Bahn auf Plätze setzt, von denen kurz zuvor jemand aufgestanden ist ganz interessant. Aber im Prinzip ist sie in einem Satz erzählt.

Dienstag, 4. März 2008

Comedy-Slam in Trier oder: Mit Alexander Bach auf Geschäftsreise

Eins vorneweg: Es ist unmöglich, in einem Smart cool auszusehen. Obwohl wir beide Anzüge trugen. Wie wirkten wir wohl? Wie ein Paar vielleicht, betont seriös gekleidet, unterwegs, damit ich endlich seine Eltern kennen lerne. Oder wie zwei Arbeitslose, die auf eine Anzeige reingefallen waren: „Bis zu 5000 Euro im Außendienst!“ Glaubt einem einer, wenn man sagt, nein, der Herr Bach ist Schriftsteller und hat „Birth of the Uncool“ geschrieben und wir sind geschäftlich unterwegs um in Trier die Menschen lachen zu machen?

Weil ja dieser Sturm übers Land ging und der Eisenbahnverkehr eingeschränkt war, hatten wir uns nach reiflicher Überlegung für diesen Mietwagen entschieden. Eigentlich fahre ich ja ganz gerne Auto. Der fürsorgliche Herr Bach hatte noch Kaffee und Müsliriegel besorgt, schließlich hatten wir gut 200 Kilometer vor uns.

Auf der A3 sagte ich zu Herrn Bach: „Ein gutes Gefühl endlich wieder auf der Straße zu sein!“ Ist es eigentlich legitim etwas zu sagen, nur damit man hinterher schreiben kann, es gesagt zu haben? Und dann noch so einen Quatsch?

Als die Autobahn etwas schlechter wurde, wollte ich Herrn Bach mit einer meiner berühmten Alfred-Zerban-Parodien unterhalten. „Und wir kommen jetzt auf die Marter-Strecke. Hier macht sich der kurze Radstand des Smart doch unangenehm bemerkbar. Ansonsten... die Verarbeitung ist gut, da klappert nichts, da knarrt nichts....“ usw. Leider kennt Herr Bach Alfred Zerban nicht. Den großen Reporter aus „Freie Fahrt ins Wochenende“. Den König des Radio-Autotests. Den Helden der Marterstrecke! Herr Bach kann eine komplette Konversation nur aus Filmzitaten bestreiten, aber Alfred Zerban kennt er nicht. Komischer Kauz.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Trier. Herr Bach navigierte uns sicher zum Veranstaltungsort.

Ich war lange nicht mehr so nervös! Wie konnte ich mir nur einbilden mit einer Nummer, die ich so nie geübt habe, in einer Stadt wo mich keiner kennt, in einem Genre, dass ich nicht beherrsche auf die Bühne zu gehen. Ich wusste, ich tat es für Fahrtkosten und ein Hotelzimmer. Und für das Abenteuer. Vor allem aber für das Hotelzimmer.

Es wurde gelost und ich war als erster dran. Auch das noch.

Vor solchen Veranstaltungen phantasiere ich heroische Triumphe und demütigende Niederlagen, aber selten irgendetwas dazwischen.
Von dem Auftritt existieren keine Aufnahmen. Ich glaube er war ganz O.K., also irgendetwas dazwischen. Je länger er zurück liegt, desto eher glaube ich allerdings, dass ich gar nicht so übel war. Das Publikum war jedenfalls sehr freundlich.

Nach mir fegte Jundula Deubel über die Bühne und ich flog raus.
Da konnte ich ja mal so langsam anfangen mit ernsthaft Bier trinken.

Die zweite Gruppe bestand aus dreien. Lorenz Böhme, Rolf Kuhl und Herrn Bach.

Herr Bach war gut, wirkte sehr souverän und kam eine Runde weiter. Genau genommen, kamen alle eine Runde weiter, weil der Moderator, der gleichzeitig als Applausometer fungierte, sich nicht entscheiden konnte, für wen der Applaus lauter war.

Deshalb durfte ich zum Trost in der letzten Runde noch mal außer Konkurrenz lustig sein.

In der zweiten Runde nun, das muss man sagen, war Kollege Bach hervorragend. Obwohl ich die Geschichte, „Besessen“, schon oft gehört hatte, habe ich mich wieder gut amüsiert.

Jundula Deubel gewann, aber es war eine knappe Entscheidung.

Danach, der Kalauer sei mir erlaubt, noch ein paar Bier in Trier.

Und später bei Cola aus der Mini-Bar sprachen wir darüber, das so ein Künstlerleben zwischen Bühne und Hotel schon eines der besseren wäre. Wenn Herr Bach und ich unser gemeinsames Programm fertig haben, kaufen wir uns einen eigenen Smart!

Auf der Rückfahrt übrigens, trafen wir uns noch mit Alexander Bachs Vater auf Kaffee und Kuchen.

Und hier finden Sie die Geschichte aus der Sicht des Herrn Bach.

Cooles Plakat


"Auf der Straße wieder!" wie der Engländer sagt