Mittwoch, 27. Februar 2008

Blues

Samstag trete ich ja beim Trierer Comedy Slam auf und ich bin schwer am überlegen, was ich dort eigentlich tun soll. Ich glaube nämlich mit vorlesen komme ich da nicht weit.

Ich denke, ich nehme meine Gitarre mit und erzähle erstmal die Geschichte, wie ich Anfang der achtziger Jahre, als jeder vernünftige Mensch Punkbands gründete, mit Jochen Heinsberg und Bernie Klapproth eine Bluesband gegründet habe. Wir konnten im Gemeindehaus umsonst proben, nach dem Flötenchor und vor der Friedensbewegung, wenn wir ab und zu auf Gottesdiensten "Herr deine Liebe" auf der Konzertgitarre zupften. Ein fairer Deal. Am liebsten übten wir "Band vorstellen": "Meine Damen und Herren, an der Schießbude: Bernie 'The Animal' Klapproth!!" Trommelsolo. "Leadgitarre: Jochen 'Slowhand' Heinsberg!" Gniedel, Gniedel, Gniedel.

Ich hatte mir lange Gedanken gemacht, welchen Bluesernamen ich annehmen sollte und fand schließlich, dass ich mich mit 4,5 Dioptrien durchaus "Relatively Blind" Christian Gottschalk nennen konnte. Am Bass stand irgendein Typ aus Chemie-Leistung, der auch nicht besonders aussah. Seinen Namen habe ich vergessen. Er hatte auch gar keinen anständigen Bluesernamen.

Natürlich hatten wir als echte Bluesmusiker ein riesiges Problem. Ich meine, wir wussten, wie es ist, die falsche Hautfarbe zu haben und verdammt noch mal in der falschen Gegend zu wohnen. Weiß wie Toastbrot in der Reihenhaussiedlung! Doch man muss nicht arbeitsloser Afroamerikaner in Chicago sein, um den Blues zu haben. Deutsche Vorstädte eignen auch sehr gut dazu und erst Recht die dramatische Verbindung von Pubertät und Hannover. Gut, meine Mutter schuftete nicht in den Cottonfields, aber Rhododendron macht auch verdammt viel Arbeit. And we where so deep in dept, Baby, our Reihenhaus belongs to the Bausparkasse. Oh, yeah! It's a hard life down in Gladiolenweg.

Der Blues ist ja erstmal ein Gefühl, und da ist es egal ob your Baby left you down in Georgia oder Kerstin Fröbel nicht mit Dir ins Kino will. Blues ist Blues!

Wir hatten sogar mal einen Auftritt auf dem Schulfest. Ich habe noch ein Foto davon. Wie mich Kerstin Fröbel auf diesem Foto anguckt, ich würde fast sagen anhimmelt, war mir damals gar nicht so aufgefallen. Vielleicht wäre sie ja doch mit mir ins Kino gegangen, wenn ich mich nur einmal getraut hätte sie zu fragen!

Freitag, 15. Februar 2008

Bärendienst

Kommentar, als Bewerbung bei meiner Heimatzeitung gedacht.

Post-Chef Klaus Zumwinkel soll Steuern hinterzogen haben. Die Summe ist vergleichsweise gering. Eine Million Euro. In den letzten Wochen geisterten schon wesentlich höhere Summen durch die Medien, die allerdings in Aktiengeschäften irgendwie verloren gegangen waren. Sei’s drum! Wer kann sich das schon alles merken heutzutage? Dennoch: Das ist, mit Verlaub, ein starkes Stück.

Eine Million Euro: Ein-Hartz-4-Empfänger müsste, um den gleichen Schaden im Staatssäckel anzurichten, bei einer Miete von 300 Euro 129 Jahre lang völlig unberechtigt Hartz 4 beziehen. Allein körperlich schon fast ein Ding der Unmöglichkeit.

70 Mrd. Euro, so schätzt man, werden Jahr für Jahr an Steuern hinterzogen. Hartz 4 kostet den Staat jährlich 45 bis 50 Mrd. Euro. Nur damit das Milchmädchen uns hier keinen Bärendienst erweist: Da bleiben mindestens 20 Mrd. über, wenn man das gegen rechnet. Was man damit alles machen könnte!

Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, hilft nur noch eins: Lückenlose Aufklärung. Eine Million Euro sind ja schließlich kein Pappenstiel, und Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt. Will die Staatsanwaltschaft ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren, muss sie Zumwinkel wie jeden gewöhnlichen Hühnerdieb behandeln! Sonst bleibt die Kuh auf dem Eis! Und dann aber: Gute Nacht, Deutschland!

Dienstag, 12. Februar 2008

Freitag

Ich wollte am Freitag eine Geschichte schreiben, in der mich meine magische Fernbedienung an den Kaffeetisch der Gilmore Girls beamt. Lorelai und Rory sind furchtbar schlagfertig und witzig und reden die ganze Zeit, und ich bin ganz klein mit, Hut und mir gelingt keine einzige Replik. Sie geben sich auch überhaupt keine Mühe, nett zu mir zu sein, sondern nutzen ihre rhetorische Überlegenheit schamlos aus. Ich armes Würstchen weiß keinen Ausweg mehr und sage ihnen, dass ich mit so einem hochbezahlten Autorenteam im Rücken, wie sie eines hätten, auch sehr witzig und schlagfertig sein könnte, das könne ja wohl wirklich jeder. Damit breche ich leider Regel Nummer eins für die Benutzung magischer Fernbedienungen: Erwähne den anderen gegenüber nie, dass sie Figuren im Fernsehen sind! Deshalb werde ich vom Sicherheitspersonal des Herstellers magischer Fernbedienungen abgeholt, mir wird ein seltenes Serum verabreicht und ich muss zur Strafe zu Dr. House in Behandlung.

Der Sicherheitstyp, gespielt von Wesley Snipes, sagt vorher noch zu mir, er würde mich ja lieber mit einem Tritt in meinen kleinen weißen Arsch direkt in die Realität zurück befördern, aber die krude Logik dieser Geschichte wolle, dass ich bestraft werde. Die Geschichte sei, so Wesley Snipes wörtlich, verdammter Bullshit. Bei einer solchen Pfeife von Autor sei es im übrigen kein Wunder, dass ich gegen die Eloquenz der Gilmore Girls keine Chance gehabt hätte.

An dieser Stelle verlor ich langsam den Überblick: Wenn Wesley Snipes eine Figur in meiner Geschichte ist und, wie er selber zugegeben hat, meiner Logik unterworfen, wie kommt er dann dazu, mich als Pfeife zu bezeichnen? Und dabei merkt Wesley nicht mal, dass schon vorher einiges schief gelaufen ist. Wie sollen Rory und Lorelai auf mich reagieren, wenn sie auf die Dialoge ihrer Autoren angewiesen sind? Bringt einen die magische Fernbedienung in die Zeiträume zwischen zwei Folgen, damit man die Dramaturgie nicht gefährdet, oder wie geht das? Irgendwie war die ganze Idee mit der magischen Fernbedienung ein einziger Flop und voll von logischen Fehlern.

„Vergessen Sie das seltene Serum“, sagte Dr. House, „es war eine harmlose Kochsalzlösung. Wesley liebt es halt dramatisch. Ihr eigentliches Problem liegt ganz woanders.“ Er guckte mich mit diesem arroganten Dr.-House-Blick an, wofür ich ihn hasste. „Lassen sie es mich so ausdrücken: Sie sind nicht Philip K. Dick, falls Sie den überhaupt kennen. Sie werden es nicht gerne hören, aber es ist meine Pflicht als Arzt

... lassen wir den Scheiß. Klartext: Als Fantasie-Autor sind Sie einfach lausig. Eine Katastrophe! Lassen Sie es sein!“

Er ist echt ein Arschloch, aber ein brillanter Diagnostiker.