Sonntag, 30. Dezember 2007

Bilanz

Man kommt ja gegen Ende des Jahres doch nicht ganz umhin ein wenig zu bilanzieren. Also um es mal vorsichtig zu formulieren, bei mir ist der Aufschwung noch nicht angekommen. Weder in der Hotelbranche noch im Filmbusiness sind die Löhne gestiegen. Und im Showgeschäft sah es finanziell auch nicht viel besser aus.

Nur mal so aus Spaß, eine Aufzählung meiner Komparsenjobs 2007: Bestatter, Freier im Bordell, Müllsammler, Geschworener in Bastian Pastewkas Albtraum, Mitarbeiter der Lebensmittelbehörde (1945, also NSDAP-Mitglied) und Volksmusikfan (Weihnachtsshow mit Anke Engelke und Bastian Pastewka). Sollte 2008 mal ein notgeiler Nazi-Penner mit schlechtem Musikgeschmack und Albtraum-Fresse gesucht werden, scheine ich die Idealbesetzung zu sein. Ich habe der Agentur ein neues Foto geschickt.

Ich bin jetzt schon fast zwei Jahre Nachtportier und noch immer war kein Detektiv da, der mir ein Foto vorhielt und versuchte meinem Gedächtnis mit Geldscheinen, die er mir in die Brusttasche steckt, „ein bisschen auf die Sprünge zu helfen“. Nur einmal hatte ich einen Privatdetektiv als Gast und der war wirklich eine Enttäuschung, da es sich, mit Verlaub, um einen Vollidioten handelte. Ich habe Daniel Lopez eine Cola-Light verkauft, aber als Nora Tschirner eincheckte, hatte ich frei. Umgekehrt wäre besser gewesen. Ich hoffe allerdings, dass Nora Tschirner etwas anderes als Cola-Light trinkt. Meine Lieblingsgäste waren ein schottischer Caddy (Remy Martin und Kaffee) und ein sächsischer Koch (dunkles Weizen). Gäste, die mich inspiriert haben, waren unter anderen ein hessischer Geschäftsmann, der anderen Gästen erzählt hat, wie viel Zentimeter Dickdarm ihm bei seiner Krebsoperation entfernt wurden (27), und eine Alkoholikerin, der ich Manfred Krug vorgespielt habe.

Ich mag das Wort Kleinkunst ja nicht, weil ich dann sofort an Frauen mit Doppelnamen denken muss, die erotische Chansons zum Sonntags-Brunch vortragen. Deshalb nenne ich es ja immer „Show-Business“, soviel Selbstbetrug sollte erlaubt sein. Jedenfalls habe ich 2007 ziemlich viel Zeit auf Bühnen (Steinen, Tischen, mäßig getarnten Europaletten...) verbracht, und das war schön. Meine Neigung mir durch das Freibier, dass ich bei solchen Gelegenheiten in der Regel bekomme, einen ernsthaften geldwerten Vorteil zu verschaffen, ist allerdings bisweilen ein wenig bedenklich.

Silvester mache ich es mir leicht, ich arbeite einfach. Das wäre mal ein Tipp für „Simplify your life“. Guten Rutsch, bis nächstes Jahr!

Freitag, 28. Dezember 2007

Karaoke dauerte gestern etwas länger. Und es gab sehr viel Bier. Deshalb heute keine Kolumne. Morgen.

Freitag, 21. Dezember 2007

Recht haben

1994 beschwerte ich mich über den CD-Player, weil die Digitalisierung, wie ich fand, eine lieb gewonnene Form der Kommunikation gefährde. Ich zitiere mich: „Was mich an CD-Playern wirklich stört, ist, dass man nicht über sie fachsimpeln kann. Die Digitalisierung zerstört nämlich eine besonders schöne Form der Kommunikation: die halbwissenschaftliche Erklärung. Dazu muss man den Gegenstand des Gesprächs etwa zur Hälfte verstanden haben, den Rest reimt man sich so zusammen. Was war der Plattenspieler noch für ein prima Gesprächsthema. Auf der Schallplatte ist die Schallenergie quasi in Verformungsenergie umgewandelt vorzufinden, die dann mittels einer empfindlichen Nadel, welche in Schwingungen versetzt wird, wieder in Töne zurückverwandelt wird. Diese, elektrisch verstärkt, erreichen dann das menschliche Trommelfell. Beim CD-Player weiß man nicht einmal, ob die CD sich dreht.“

Ich war im Unrecht. Heute sind wir alle Hobby-Informatiker, Ärger mit Computern und das dazugehörige Halbwissen („Drück’ doch einfach mal O.K.!“) sind herrliche Gesprächsthemen, und eine Welt in der sogar ich behaupten kann „ich hab das so in den HTML-Code reinkopiert und dann hat es funktioniert“ kann keine schlechte sein.

Die CD hat es ohnehin hinter sich, der iPod ist kleiner und es passt ein mittlerer Plattenladen drauf. Doch schon wieder sehe ich dunkle Wolken am Kommunikationshimmel aufziehen, erstens ist schon wieder die halbwissenschaftliche Erklärung bedroht und zweitens ein wichtiger Teil der Kneipenkultur: Die rechthaberische Behauptung mit anschließender Diskussion. Zum Beispiel: „William Shatner hat drei Schallplatten besungen“. Konnte man sich bislang wunderbar drüber streiten. Oder: „Es gibt den Lexus IS 300 in der Dieselversion nicht als Automatik.“ „Horse without name ist von Simon and Garfunkel“. Und so weiter. Es wird demnächst so sein: Bevor man sich warm geredet hat, hat einer im Raum sein Multifunktions-Telefon gezückt und im Internet nachgeguckt. Diskussion beendet. Vier Platten. Stimmt. Nein, von America. Scheiße!

Man kann am Ende nur noch über Meinungen diskutieren und darf nicht einmal dabei rauchen. Danke Regierung. Danke, Herr Jobs. Danke finnische Firma.

Waren Sie schon mal dabei, wenn an der Theke der Nahostkonflikt gelöst wird? Das ist nicht schön.

Nun war ich ja 1994 schon einmal im Unrecht. Das gibt mir Hoffnung. Und es gibt, wie sich an den Weihnachtstagen zeigen wird, auch noch Themen über die nichts im Internet steht und die ein bisschen Schwung in die Familienfeier bringen. Warum Onkel Walter sich damals hat scheiden lassen („Ich sach’ ja, Sie war der Stachel im Fleisch“), ob Opa Braunschweig ein „hunderfuffzigprozentiger“ Nazi war oder ob Tante Rosemarie bereits 1973 „aber locker über 100 Kilo“ auf die Waage brachte steht nicht bei Wikipedia. Ich wünsche friedliche Feiertage.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Geschenke nicht in letzter Sekunde kaufen!

Der Herr O. alias 18metzger und ich werden jetzt Internetmillionäre! Pünktlich zum Fest der Liebe könnt Ihr über unseren Shop bei Spreadshirt dieses lustige T-Shirt kaufen. Ihr könnt auf spreadshirt.net das Motiv auch mit einem beliebigen anderen T-Shirt kombinieren oder auf eine Kaffeetasse drucken lassen. Kaufen, kaufen, kaufen!

Freitag, 14. Dezember 2007

Langeweile?

Ich langweile mich ja eigentlich selten, denn wenn ich anfange mich zu langweilen, denke ich einfach ein bisschen und schon langweile ich mich nicht mehr. Man muss gar nichts besonders Kluges denken, meist geht es bei mir auch nicht viel anders zu, als in Homer Simpsons Denkblasen. Langeweile kommt höchsten mal bei langweiligen Tätigkeiten auf, deshalb spiele ich nicht „Kniffel“.

Ich koche auch nicht besonders gerne, Möhren schälen ist langweilig. Seit ich mir aber dabei vorstelle, ich sei Tim Mälzer, ist das auch besser geworden. Im inneren Monolog plappere ich fröhlich drauflos, dass ich die Möhren in gleich große Scheiben schneide und sie „nur mit Pfeffer und Salz würze, weil ich das wunderbare Möhrenaroma lediglich ein bisschen unterstützen“ wolle, „wenn Sie möchten können sie aber auch einen Löffel Hühnerbrühe dazugeben, da können Sie ruhig ein Fertigpulver nehmen“.

Bei langen Autofahrten nützt manchmal alles Denken nichts, wenn man mindestens zu zweit ist, kann man dann aber „Stadt, Land, Fluss" ohne Stift und Zettel spielen, vielleicht noch mit den Rubriken „eklige Krankheiten“ und „Deutsche SerienschauspielerInnen“. Aachen, Argentinien, Aller, Ausschlag (nässend), Adorf.

Mit dem folgenden Streit kann man mindestens fünfzig Kilometer bestreiten: „Doch Adorf gilt! Kir Royal war eine Serie!“ – „Meinetwegen ist Ausschlag ein Symptom, dann nehme ich Allergie!“ – „Wie, nicht eklig? Allergie mit nässendem Ausschlag natürlich! Außerdem: Arschkrebs gibt es überhaupt nicht und Amerika ist kein Land!“

Schon ist man kurz vor Gütersloh oder wo auch immer.
In einer langweiligen Gegend, in einem langweiligen Auto und im Radio läuft „Sportfreunde Stiller“. Eine echte Herausforderung.

Freitag, 7. Dezember 2007

Dezember!

Ganz schön heiß hier, aber das DSL-Signal ist zwei Kilometer vor der Küste immer noch recht gut. Kleiner Scherz (vergl. Kolumne „Lotto“, weiter unten), dabei habe ich ja schon verraten, dass ich nichts gewonnen habe. Also jetzt im Ernst:

Wenn Sie gerade mal kurz aufpassen, müssen Sie im Dezember viele Zeitungsartikel nicht mehr lesen, weil ich Ihnen jetzt sage, was drin steht. Erstens: Bei Weihnachtsfeiern der Firma ist es unschicklich, bis zum Pupillen-Stillstand zu saufen. Duzen Sie ihren Chef nicht und verzichten Sie auf sexuelle Belästigung. Zweitens: Bei Eis und Schnee sind Sommerreifen gar nicht so gut. Drittens: Schenken Sie ihrem Mann keine Unterhose, schenken Sie ihrer Frau kein Haushaltsgerät. Viertens: Behalten Sie Feuerwerkskörper nicht bis zur Explosion in der Hand. Fünftens: Coca-Cola hat den Weihnachtsmann erfunden. Sechstens: Glühwein auf Weihnachtsmärkten ist oft zu teuer und von schlechter Qualität. Siebtens: Der Einzelhandel äußerte sich zufrieden. Was in den Zeitungen an Anti-Kater-Tipps steht, können Sie alles vergessen. Gegen Kater hilft schlafen.

Die Zeit, die Sie nun gewonnen haben, weil sie all diese Artikel nicht lesen müssen, können Sie für sinnvolle Dinge nutzen: Mit dem Luftgewehr auf an Fassaden hängende Weihnachtsmann-Figuren schießen, Rosinen aus Christstollen pulen, Marzipankartoffeln einkellern oder eine Gerd-Baltus-Fanseite einrichten.

Wie sie vielleicht schon bemerkt haben, ist der Dezember nicht gerade mein Lieblingsmonat. Fritz Eckenga hat ja mal ein wichtiges Gedicht gegen den November geschrieben (Zitat: „Ich komm' zum Schluß mit dem Gedicht: November, bist ein Arschgesicht!”) was er wegen der erbosten Zuschrift einer Neunjährigen später reumütig widerrief. Dabei ist der November in seiner grimmigen Ehrlichkeit ein Segen verglichen mit dem verlogenen Dezember. Der Dezember übertüncht wie ein alter Alkoholiker in einer Rasierwasserwolke seinen fauligen Dezembergeruch mit irgendwelchen Weihnachtsdüften. Auf Bildern sehen wir ihn stets in weiße Pracht gekleidet, doch schauen Sie mal aus dem Fenster, da sehen Sie sein wahres Gesicht! Dezember, Du bist mir gerade einen Zweizeiler wert:

Dezember!
Das Beste an Sylvester ist
dass Du dann zu Ende bist.

Sonntag, 2. Dezember 2007