Heute aber wollte ich mich im Mief der Mehrheit wärmen, verbunden mit der Chance, ein extravagantes Leben führen zu können und habe einen Lotto-Schein ausgefüllt. Eigentlich bin ich mehr so der Rubbellostyp, aber hat Gregor nicht gestern bei Stefan Raab noch davon gesungen, man könnte auch mal „was Verrücktes tun“? Ich weiß nicht, woran Gregor dabei dachte, Himbeereis zum Frühstück oder Rock’n’Roll im Fahrstuhl, ich habe zwei Kästchen gespielt für 1,85 Euro. Vielleicht beginnt meine nächste Kolumne schon mit den Worten: „Ganz schön heiß hier, aber das DSL-Signal ist zwei Kilometer vor der Küste immer noch recht gut.“
Wozu spielen eigentlich diese Leute Lotto, die immer sagen, sie würden auf jeden Fall weiter arbeiten? Es ist ja nicht so, dass sie besonders wichtigen oder interessanten Berufen nachgingen, wie Kinderherzchirurg oder Schlagersänger. Sie haben Chefs. Sie haben gleitende Arbeitszeit. Sie essen in Kantinen. Sie wollen „auf jeden Fall weiter arbeiten“. Ich weiß, dass wir in diesem Land fast alle ein neurotisches Verhältnis zur Arbeit haben, aber was zu weit geht, geht zu weit. Es ist asozial, als Millionär einen der begehrten Arbeitsplätze zu besetzen, nur weil man sonst nichts mit sich anzufangen weiß. Sollen sie doch einfach Drogen nehmen, wenn sie sich langweilen, wie andere Millionäre auch.
Mir würde schon eine vergleichsweise geringe Summe ausreichen, um sofort zu kündigen. Je nach Gewinnhöhe würde es mit dem Arbeiten auch zeitlich etwas knapp, da ich Besuche in New York, Kambodscha, Nairobi und auf Sansibar zu machen habe. Und dann ist da noch die Donau, das letzte Abenteuer für den Sportbootführer (Binnen). Und das ist schon das Schöne an Lotto, diese Zeit bis zur Ziehung, in der man sich ausmalt, was man alles mit dem schönen Geld machen könnte. Kollege B. aber meinte, kurz nachdem er erzählt hatte, wie er „die Heidi“ in sein Fotostudio einladen würde, und zwar sehr ernst: „So halten sie uns ruhig“. Sollte es ausgerechnet nächste Woche in Deutschland zu umstürzlerischen Aktivitäten kommen, erreichen sie mich mit einer Wahrscheinlichkeit von
in der Schweiz.