Montag, 29. Oktober 2007

Gottschalk sagt...

...das besondere am Lokführer-Streik ist ja, dass man ihn bemerkt. So etwas sind wir in Deutschland nicht gewohnt. Hier streiken immer nur die Studenten oder die Telekom. Weder das eine noch das andere hat ernsthafte Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Die Telekom-Mitarbeiter erkämpfen sich mit ihrer kämpferischen Gewerkschaft Verdi weniger Lohn für mehr Arbeit. Das kann man im Ausland wieder keinem erzählen.

In den USA hat nun eine Berufsgruppe einen Streik angekündigt, der sogar Auswirkungen bis weit ins Universum hat, bis hin zum Kampfstern Galactica. Die Drehbuchautoren! Sie fordern ein größeres Stück vom Kuchen, unter anderem mehr Geld pro verkaufte DVD. So ein Autorenstreik hat ernste Folgen: Den Late-Night-Talkern gehen die Witze aus, die Filmproduktion kommt zum erliegen, Serien fehlen neue Folgen. Das kostet die Filmindustrie viel Geld, oder wie wir Kölner Tycoone sagen „rischtisch Jeld, aba rischtisch Jeld“. Beim letzten Mal, 1988, eine geschätzte halbe Milliarde Dollar.

Könnte das bei uns auch passieren? Streikposten an brennenden Tonnen sperren die Lindenstraße ab? Pocher und Schmidt erzählen Restwitze aus dem Archiv? Nun muss man sich in Deutschland seinen Streik ja auch noch gerichtlich genehmigen lassen. Da weiß man nicht, was dabei heraus kommt. Daily Soaps, die S-Bahnen unter den Fernsehformaten, dürfen bestreikt werden, aber Freitagskrimis nicht?

Neulich habe ich erst „Niedrig und Kuhnt“ und dann „Staatsanwalt Posch ermittelt“ geschaut und war mir sicher: Es ist soweit, die Drehbuchautoren streiken. War aber nicht so.

Überhaupt sind wir Deutschen ja nicht so ein streikfreudiges Volk. Als ich selber vor Jahren in der Filmbranche tätig war, ich hatte im Urlaub in Tunesien einen Job als Komparse bei einem japanischen Film ergattert, wurde ich an meinem zweiten Arbeitstag Zeuge eines lautstarken Streits zwischen dem tunesischen Chef und einem italienischen Komparsen. Der Italiener wurde entlassen, und eine Sekunde später waren alle Italiener im Streik. Eine weitere Sekunde später die Iren und kurz danach die Spanier, Engländer, Franzosen und Australier. Verblüfft blickten der übriggebliebene Österreicher und ich uns an. Das ging alles etwas schnell für uns. Nach reiflicher Überlegung beschlossen wir, ebenfalls zu streiken. Wir wurden alle entlassen. Abends saßen wir am Lagefeuer und sangen die Internationale. Von dem Film habe ich nie wieder irgendetwas gehört. Wahrscheinlich ist er nichts geworden, ohne uns.