Freitag, 28. September 2007

Gottschalk sagt...

...diese Kolumne hat ihren Ursprung in der „Kölner Woche“ , nach deren Einstellung erschien sie in der „taz-köln“ und danach in der „taz-nrw“, die es nun auch nicht mehr gibt. Als ich gestern Nachmittag beschloss, sie im Netz weiterzuführen, musste ich an die gute alte „MAD“-Rubrik „Ich und meine große Klappe“ denken. „Für meine Texte müssen Bäume sterben!“ „Ich schreibe prinzipiell nur für Geld, ich bin schließlich Autor, kein Schriftsteller!“ „Beim Radio kriegt man sowieso mehr!“ Hatte ich gesagt. In Wirklichkeit habe ich dem Radio keinen einzigen Text angeboten. In Wirklichkeit habe ich sehr wohl zwei Texte ohne Geld geschrieben, weil ich sie für eine Lesung brauchte. Und im Prinzip habe ich auch gar nichts gegen Bäume.

Der Plan: Jeden Freitag 15 Uhr eine Kolumne. Heute Nachmittag finde ich dann noch raus, wie ich die Besucherzahlen kontrollieren kann. Wenn die Kolumne gelesen wird, mache ich weiter. Wenn nicht, werde ich eben Holzfäller. Vielleicht mache ich auch Reklame auf die Seite, ich schreibe schließlich nur für Geld. Es gibt da diese Funktion mit der automatisch generierten Werbung, das könnte ein Witz für sich werden. Sie haben das bestimmt schon mal gesehen. Schreibt man meinethalben über U-Boote steht dann in der Anzeige: „U-Boote und Zubehör zu Hammerpreisen bei alles-voll-billig.de“.

Nach „Hallo Köln“ und „Liebe Nordrhein-Westfalen“ jetzt also „Huhu Welt“. Theoretisch jedenfalls. Oder eher: „Guten Tag deutschsprachiger Raum, liebe hundertjährige Nazis in Südamerika, moin moin Familie Reimann in Texas.“ Etwas realistischer betrachtet: „Ich grüße alle, die mich kennen.“ Wie auch immer.

Etwas schwierig wird es werden, mein eigener Redakteur zu sein. Ich kann mich ja nicht selber anrufen und fragen, wo der verdammte Text bleibt. Länge, NRW-Bezug, Aktualität, alles piepegal, wie soll man denn so arbeiten? Sollte ich mir das Bild eines Zigarrenrauchers mit Gummibändern an den Hemdsärmeln über den Schreibtisch hängen, der mir zuruft: „Egal, was Dir passiert, es ist immer eine Story! Und jetzt raus hier! An die Arbeit!“

Nein, auch da höre ich mich – „Ich und meine große Klappe“ – sagen: „Ganz einfach: Früh aufstehen, scharf nachdenken, schreiben, rechtzeitig fertig werden.“ Ein disziplinierter Humor-Beamter, das will ich sein.

Die „digitale Bohème“ wird mich ohnehin nicht aufnehmen, ich wüsste auch gar nicht, wie ich mit meinem alten G3-Rechner, der soviel wiegt, wie das gleichnamige Sturmgewehr, ins Café kommen sollte. Und Instant-Kaffee haben die auch nicht.